Elterngeld

Elterngeld: Warum der Partnerschaftsbonus für viele Eltern ein Flop ist

Die Idee, die hinter dem Partnerschaftsbonus steckt ist ja eigentlich supergut. Der Gesetzgeber macht das Portemonnaie noch einmal zusätzlich auf, wenn sich die Eltern nach der Geburt dazu entscheiden Job und Kinderbetreuung gleichberechtigt untereinander aufzuteilen.

Beide Elternteile können nach Ausschöpfung des „normalen“ Elterngeldanspruch nämlich vier weitere Elterngeld-Plus Monate beantragen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  • Beide arbeiten im Schnitt mindestens 25, maximal aber 30 Stunden pro Woche
  • Die Arbeitszeitverkürzung erfolgt gleichzeitig und parallel für vier Monate
  • Die vier Monate müssen von beiden Elternteilen am Stück genommen werden

(Achtung, der Partnerschaftsbonus ist etwas anderes als die Partnermonate, dass sind die beiden zusätzlichen Elterngeld-Monate, wenn auch der Partner Elterngeld beantragt.)

Auf der Seite des Familienministeriums heißt es zum Partnerschaftsbonus vielversprechend:

„Der Partnerschaftsbonus soll Eltern dabei unterstützen, Beruf und Familie gemeinsam zu meistern. Er begünstigt daher eine gegenüber der Vollzeitbeschäftigung merkliche Verringerung der Erwerbstätigkeit zugunsten der Betreuung des Kindes und eine Erwerbstätigkeit in einem Umfang, der die dauerhafte wirtschaftliche Absicherung von Familien gewährleistet.“

Schade, dieses Versprechen kann gegenüber vielen Eltern nicht eingehalten werden.

Warum der Partnerschaftsbonus in der Praxis oft nicht funktioniert

Bei den wohlklingenden Versprechungen wird meistens so getan, als ob es ganz easypeasy sei zur gleichen Zeit die Arbeitszeit zu verkürzen. Mitnichten: Wenn Mama und Papa ihre Arbeitszeit auf 25-30 Stunden Arbeitszeit in der Woche herunterfahren möchten, brauchen beide das OK von ihrem Arbeitgeber. Und das ist im wahren Leben ein große Hürde – trotz des gesetzlichen Anspruches auf Teilzeit während der Elternzeit.

Ich beschreibe dir mal zwei typische Partnerschaftsbonus-Flop-Fälle:

Flop-Fall 1: Der Arbeitgeber ist zu klein

Papa arbeitet 40 Stunden in der Woche in einem kleinen Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeitern und will seine Arbeitszeit während der Elternzeit auf 30 Stunden reduzieren, damit er den Partnerschaftsbonus beantragen kann. Mama arbeitet selbständig. Für sie ist die Sache geritzt, da sie ihr Arbeitspensum frei einteilen und auf 30 Stunden die Woche reduzieren kann.

Doch leider macht Papa’s Arbeitgeber den Traum vom Partnerschaftsbonus zunichte. Der Arbeitgeber lehnt den Teilzeitantrag ab. Begründung: Es bestehe kein Anspruch, da der Betrieb weniger als 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Fazit: Papa kann nichts machen, denn der Anspruch auf Elternteilzeit besteht tatsächlich nur dann, wenn der Arbeitgeber mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt. Die Arbeitszeit kann nur reduziert werden, wenn sein Arbeitgeber freiwillig zustimmt. Damit ist der Partnerschaftsbonus futsch.

Flop-Fall 2: Der Arbeitgeber ist groß, lehnt aber Teilzeit in Elternzeit ab 

Mama hat vor der Geburt für eine große Versicherung mit 500 Mitarbeitern gearbeitet. Im zweiten Elternzeit-Jahr möchte sie in Teilzeit arbeiten, ihre Arbeitszeit auf 25 Stunden verkürzen und zusammen mit Papa, der bei einer Behörde arbeitet, den Partnerschaftsbonus beziehen. Vor der Geburt wird ihr in einem Gespräch mitgeteilt, dass eine Tätigkeit in Teilzeit kein Problem sei.

Nachdem sie die Zusage für einen Kitaplatz erhalten haben, stellen beide den Antrag auf Teilzeit. Papas Antrag wird stattgegeben. Bei Mama sieht es jedoch anders aus: Ihr neuer Chef erinnert sich nicht mehr an die Zusage, die man ihr damals gemacht hatte und lehnt den Teilzeitantrag aus dringenden betrieblichen Gründen ab. Begründung: Der Job könne nur in Vollzeit ausgeübt werden könne.

Fazit: Auch in diesem Fall ist der Partnerschaftsbonus mit hoher Wahrscheinlichkeit gefloppt. Jedenfalls sind die Eltern in einer bescheidenen Situation:

Klagen oder die Füße still halten? Was kann man tun, wenn der Partnerschaftsbonus floppt – 3 Tipps

Bestimmt fragst du dich, was man außer Fluchen tun kann, wenn der Partnerschaftsbonus floppt:

  • Lasse dir Teilzeit-Zusagen vor der Geburt immer SCHRIFTLICH bestätigen
  • Falls dein Arbeitgeber den Teilzeitantrag ablehnt kannst du versuchen bei einem anderen Arbeitgeber einer Nebentätigkeit nachzugehen, eine Alternative ist auch die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit
  • Rettet zwar nicht den Partnerschaftsbonus, aber vielleicht den Kita-Platz. Du kannst dich nach einem abgelehnten Teilzeit-Antrag arbeitslos melden.

 Ausblick und Appell: Was sich ändern muss

Wenn der Gesetzgeber sein Partnerschaftsbonus-Versprechen gegenüber ALLEN Eltern ernst meint und ALLE Eltern dazu ermutigen möchte Erwerbs- und Familienarbeit gleichmäßig untereinander aufzuteilen und zu einem gleichberechtigten Lebensentwurf ermutigen möchte, dann..

…muss es für Eltern einfacher werden in Teilzeit zu arbeiten.

…muss der Teilzeit-Anspruch auch dann bestehen, wenn der Betrieb weniger als 15 Mitarbeiter beschäftigt. (Diese Grenze sollte nach unten verschoben oder noch besser ganz abgeschafft werden.)

…darf es nicht mehr möglich sein den Teilzeitantrag aus dringenden betrieblichen Gründen abzulehnen, wenn die Eltern den Partnerschaftsbonus bei der Elterngeldstelle beantragt haben und einen Kitaplatz vorweisen können.

 

Und jetzt seid ihr dran! Kam der Partnerschaftsbonus für euch in Frage? Wenn ja, wie sind eure Erfahrungen mit dem Partnerschaftsbonus? Top oder Flop? Und Hand aufs Herz: Teilt man sich mit dem Partnerschaftsbonus die Familienarbeit tatsächlich gleichmäßig auf, oder bleibt mal wieder alles an Muddi hängen?

 

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3 Kommentare

  • Antworten
    Linh
    16. März 2017 at 21:41

    Auf jeden Fall muss die Politik die Arbeitgeber in eine familienfreundlichere Richtung lenken! Wir haben das Glück, dass wir die Elternzeit und den Partnerschaftsbonus bei unseren AGs voll durchgesetzt haben können. So genieße ich seit 19 Monaten nun Elternzeit in Teilzeit (in den ersten 12 Monaten im Homeoffice) und ab Mai genießen wir den Partnerschaftsbonus. Da nur einer Elterngeld bezieht und wir beide Teilzeit arbeiten, müssen wir dennoch etwas finanziell verzichten. Für die letzten 4 Monate können wir aber nochmal beide Elterngeld beanspruchen. Insofern ist der Gesetzgeber schon auf gutem Wege was die finanzielle Unterstützung angeht.
    Um jedoch Familie und Beruf (beide berufstätig und Pendler und dann auch noch ohne Großeltern vor Ort) zu vereinbaren, ist es auf jeden Fall notwendig, dass beide Eltern die Möglichkeit haben Teilzeit zu arbeiten. Damit kann man den Alltag auf jeden Fall um einiges einfacher organisieren. Eine gute Tagesmutter gehört bei der Betreuung auch dazu. In Zeiten der Digitalisierung kann man zumindest bei vielen Jobs von den Arbeitgebern eine Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsmodellen erwarten. Ich hoffe, dass sich das bald ändert.

  • Antworten
    Lucie
    4. April 2017 at 9:40

    Danke für die sehr hilfreichen und verständlichen Informationen, in den Elterngeldberatungsstellen habe ich als Freiberuflerin keine guten Erfahrungen gemacht („Nein, so einen Fall wie Sie hatten wir noch nie, damit kennen wir uns nicht aus“).

    Mein „Fall“ ist, dass ich Teilhaberin einer GbR bin, meine Partnerin und ich haben eine Gewinnbeteiligung von normalerweise 50/50. Ist nun der Weg, in den Monaten, ich denen ich Elterngeld beziehen will, diese Beteiligung auf 100/0 zu setzen, damit ich im Bezugszeitraum ganz klar kein Einkommen und damit keine Abzüge habe? Sonst wird der Gewinn am Ende des Jahres ja einfach halb/halb aufgeteilt und auf die Monate verteilt, oder? Das ist der Tip von meinem Steuerberater, aber reicht das? Muss ich eine diesbezügliche Erklärung dem Elterngeldantrag gleich beifügen? Danke für eine Antwort!

    Das Elterngeld Plus war mir und meinem Freund zu komplex, als dass wir ernsthaft darüber nachdenken wollten. Wir wollten die Phase, in der ich mit meinem Einkommen vorsichtig sein muss, nicht noch verlängern – zu groß das Risiko, dass etwas schiefgeht… Obwohl wir gerne beide Teilzeit arbeiten würden.

    • Antworten
      smart-mama
      18. April 2017 at 20:46

      Liebe Lucie, tatsächlich gibt es eine neue Rechtsprechung, wonach bei einer Personengesellschaft, also auch bei einer GbR, die volle Gewinnbeteiligung während des Elterngeldbezuges anzurechnen ist. Anderweitige vertragliche Vereinbarungen werden nicht akzeptiert. Allerdings ist wohl ein neues Verfahren beim BSG anhängig, bei dem gerade überprüft wird, ob das auch für die neuen gesetzlichen Regelungen gilt. Ich halte euch auf dem Laufenden..
      Lieber Gruß, Sandra

    Antworten