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Mama arbeitet fremd – der Nebenjob während der Elternzeit

Wusstet du, dass du während der Elternzeit die Lizenz zum fremd arbeiten hast? Nein? Kein Wunder! Ich habe davon auch erst gehört, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war (obwohl ich davor 6 (!) Jahre Paragraphen studiert habe).

Dabei ist es kein Vertrauensbruch, sondern ganz legal, dem Arbeitgeber während der Elternzeit den Rücken zu zeigen und ihm mitzuteilen: „Ciao, ich arbeite dann mal die nächsten Wochen und Monate woanders.“ Jetzt fragst du dich bestimmt: „Warum, um Himmels Willen sollte ich auf die Idee kommen fremd zu arbeiten?“ Nun ja, aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich dir eine Menge guter Gründe und tricky Situationen dafür nennen:

Situation 1

Du willst (oder musst aus finanziellen Gründen) während der Elternzeit arbeiten – dooferweise klappt es bei deinem Arbeitgeber nicht:

…weil er weniger als 15 Mitarbeiter beschäftigt, so dass ein Anspruch auf Teilzeit während der Elternzeit nicht besteht. Eine einvernehmliche Reduzierung der Arbeitszeit kommt nicht in Frage oder wurde (trotz vorheriger Zusage plötzlich) abgelehnt.

…weil er mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt, aber deinen Teilzeitantrag abgelehnt hat. Eine Klage gegen diese Entscheidung scheidet für dich aus (z.B. weil du gerne wieder bei deinem alten Arbeitgeber arbeiten, und das Tischtuch nicht  zerschneiden möchtest).

Situation 2

Du bist mit deinem Job unzufrieden und willst mal woanders reinschnuppern. Gleichzeitig möchtest du deinen alten Job mit Sonderkündigungsschutz während der Elternzeit als sichere Bank behalten.

Situation 3

Du willst dich selbständig machen, bist dir aber noch unsicher, ob du der Typ dafür bist und ob deine Geschäftsidee genug abwirft, um davon leben zu können.

 

Du erkennst dich in einer dieser Situationen wieder und dir gefällt die Idee während der Elternzeit woanders zu arbeiten? Dann musst du jetzt nur noch wissen, wie man den Nebenjob formal korrekt einfädelt:

 

Nebentätigkeit während der Elternzeit – formale Anforderungen

Eigentlich musst du nur auf 3 Punkte achten, um rechtssicher durchstarten zu können:

1. Der Nebenjob darf 30 Stunden pro Woche nicht überschreiten

Bitte keinen Arbeitsvertrag unterzeichnen, der eine Arbeitszeit von 40 Stunden regelt! Andernfalls verlierst du deinen Elternzeit-Status, da während der Elternzeit nur 30 Stunden Arbeit pro Woche erlaubt sind.

2. Die Tätigkeit muss dem Arbeitgeber angezeigt werden

Am besten zeigst du den Nebenjob schriftlich deinem Arbeitgeber unter Angabe der wöchentlichen Arbeitszeit an. Die konkrete Firma, für die du arbeiten möchtest, musst du nicht zwingend angeben – trotzdem würde ich die Karten offen legen. Eine offene und vertrauensvolle Kommunikation weckt nach meiner Erfahrung in den meisten Fällen mehr Verständnis und führt zu einer schnelleren Zustimmung.

3. Der Arbeitgeber muss der Tätigkeit (ausdrücklich oder schweigend) zustimmen.

Dazu hat dein Arbeitgeber vier Wochen Zeit. Allerdings gilt die Devise „Keine Nachricht – gute Nachricht“: Wenn du vier Wochen nichts Gegenteiliges hörst, darfst du jubeln, denn dann gilt seine Zustimmung als erteilt.

Da ich als Juristin immer eine Worst-Case-Denkerin bin, noch ein abschließender Aspekt zu dieser Thematik:

 

Hilfe, mein Arbeitgeber hat die Nebentätigkeit abgelehnt. Was nun?

Natürlich gibt es einzelne Arbeitgeber die das fremd arbeiten doof finden und einen Antrag auf Nebentätigkeit mit NEIN beantworten. Ganz so einfach geht das aber nicht, denn: Dein Arbeitgeber kann die Tätigkeit nur aus DRINGENDEN BETRIEBLICHEN GRÜNDEN ablehnen. Und zwar innerhalb von vier Wochen und schriftlich.

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß an dieser Stelle: Oha, dass ist jetzt wieder so ein Jura-Wischiwaschi-Begriff. Stimmt. Was „dringende betriebliche Gründe“ sind, lässt sich nur sehr schwer verallgemeinern. Fakt ist aber zum Beispiel, dass die Nebentätigkeit abgelehnt werden darf, wenn du für ein Konkurrenzunternehmen arbeitest, in Interessenkonflikte kommst und eine Gefährdung für ihn besteht – oder wenn dir dein Arbeitgeber eine offene Teilzeitstelle anbietet und deine Arbeitskraft dringend braucht.

Wie verhält es sich aber, wenn du der Ansicht bist, dass die Ablehnung zu Unrecht, zu spät, oder ohne Angabe von dringenden betrieblichen Gründen erfolgt ist? Dann wartest du erst mal die vier Wochen ab (denn während dieser Zeit kann der Arbeitgeber seine Antwort noch nachbessern). Wenn das nicht passiert, darfst du die Nebentätigkeit aufnehmen – auch wenn das deinem Arbeitgeber nicht gefällt.

Achtung: du solltest dir bewußt sein, dass dein Arbeitgeber dagegen eine Unterlassungsklage erheben kann – ob diese begründet ist, ist natürlich eine ganz anderen Frage…  Alternativ kann du auch auf Zustimmung zur Genehmigung einer Nebentätigkeit, klagen.

…und jetzt wünsche ich dir viel Spaß bei der Elternzeit-Nebenjob-Suche, vielleicht auch bei Schreiben deines Businessplanes 🙂 Falls du deine Erfahrungen gerne mit anderen Leserinnen teilen möchtest – oder es irgendwo hakt, dann kannst du gerne einen Kommentar verfassen!

 

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1 Kommentar

  • Antworten
    Sibylle
    4. Dezember 2017 at 23:09

    Und wenn man verbeamtet ist?

  • Antworten